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US-Notenbank wappnet sich gegen erneute Deflation
Jüngst erschütterte das Orakel aus Washington die Börsen: Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank lieferte seinen Halbjahresbericht vor dem US-Kongress.
Die Rede lief im üblichen verklausulierten Fed-Speak ab, das die Märkte erst einmal mühsam entschlüsseln mussten. Bernanke sagte in einer Rede vor dem US-Senat, dass der Wachstumsausblick für die USA von ungewöhnlich hoher Unsicherheit geprägt sei. Die amerikanische Zentralbank sei gegebenenfalls zu einer weiteren geldpolitischen Stützung der Konjunktur bereit.
Die Anleger bekamen es mit der Angst zu tun und flüchteten zunächst in US-Dollar und Anleihen, die als "sichere Häfen" gelten. Denn wie es schien, läuft die US-Wirtschaft alles andere als rund. Die Angst vor dem „Double Dip“, der doppelten Rezession, machte die Runde. Die zuvor positiven Impulse aus den überzeugenden Quartalszahlen von Morgan Stanley und Apple verpufften.
Kleines Missverständnis an der Wall Street
Doch was war wirklich geschehen? Tatsächlich dauerte es eine Weile bis die ersten Broker verstanden hatten, was Bernanke wirklich gesagt und gemeint hatte: Die US-Notenbank kündigte zwischen den Zeilen ein erneutes Anfahren der Druckmaschinen an. Die amerikanische Zentralbank steht notfalls bereit, eine schwächere US-Konjunktur mit einer Flut aus billigem Geld zu stützen. Nicht zuletzt der schwächelnde Häusermarkt soll gestützt werden.
Von einem Anziehen der Zinsschraube ist zurzeit keine Rede mehr. Vielmehr soll der Markt notfalls mit neuem Geld geflutet werden. Und was bedeutet eine Welle aus Kapital? Genau: Massen an Geld, die sich in den Aktien-, Immobilien- und Rohstoffmarkt ergießen. Das wird zwar irgendwann in der Zukunft zur nächsten Blase und dann zum Crash führen – doch damit werden wir uns in ein paar Jahren beschäftigen.
Die Fed nimmt die Deflation ins Visier
Die Fed bekämpft also wieder die Deflation – und sie hält die Inflationsrisiken für gering. Nur zur Erinnerung: Eine Deflation ist das weit größere und gefährlichere Monster, als die Inflation.
In einer Deflation halten Verbraucher und Firmen ihr Geld beisammen, weil sie befürchten, dass sie ihren Job verlieren, oder dass in Kürze die Aufträge wegbrechen. Diese Angst führt zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung: Die Verbraucher kaufen nicht mehr ein, die Anbieter von Fernsehern, Autos, Immobilien oder Krediten müssen ihre Produkte immer günstiger auf den Markt werfen.
Das führt zu einem gefährlichen Attentismus: Die Käufer warten, bis die Ware noch günstiger wird. Letztlich verschwindet das Blut aus dem Wirtschaftskreislauf: Die Konsumenten und Investoren horten ihr Geld. Die Folge sind Entlassungen in der Industrie, fehlende Investitionen, ein Konsumentenstreik. Und letztlich der Bankenkollaps, der die Guthaben der Sparer vernichtet.
Die Rezession ist noch nicht vorbei
Kommt Ihnen das Szenario bekannt vor? Genau: Dies war die Situation nach dem Lehman-Crash. Die Abwrackprämie, das Konjunkturprogramm zur Sanierung von Straßen und Schulen und der Bankenrettungsplan in Deutschland, die chinesischen und amerikanischen Konjunkturprogramme waren alles Schritte gegen die deflationäre Todesspirale. Denn wenn die privaten Wirtschaftssubjekte streiken, muss der Staat als Investor einspringen.
Übrigens ist die Angst vor der Deflation noch nicht gewichen: Vielleicht ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass selbst in Deutschland bei Direktbanken noch immer ein verräterischer Hinweis auftaucht, wenn sie größere Summen an eine andere Bank überweisen. Die Bank versichert, dass sie wirklich sicher sei. Zum Höhepunkt der Krise hatten die Anleger in Scharen ihr Geld von der Bank abgeholt.
Tatsächlich zeigt ein genauerer Blick hinter die Kulissen, dass in der die Federal Reserve seit geraumer Zeit ein Kampf über die weitere Richtung tobt. Gerade wurden die Protokolle des Juni-Treffens des obersten Entscheidungsrates der Federal Reserve veröffentlicht. Das Federal Open Market Commitee sieht zwar eine weiter langsam voran schreitende Erholung. Doch der Finanzmarkt trage zum Wirtschaftswachstum weniger bei, als in den Monaten zuvor.
Viel wichtiger sind die verklausulierten Warnungen vor einer Deflation. Eine Reihe von Indikatoren zeige an, dass die Tendenz zur Inflation abnehme. Im Fed-Speak heißt es dazu, der Ausblick für eine Preissteigerung habe sich nach unten geneigt. Einige Teilnehmer sprachen sogar von einem Deflationsrisiko.
Stress-Gefahr bei den Banken bleibt
In dieses Bild der schwelenden, aber nicht mehr akuten deflationäre Krise passt der Stresstest für die europäischen Banken: Die meisten Kreditinstitute scheinen gegen eine Krise gewappnet. Allerdings spricht niemand nach den Ergebnissen davon, dass nun alles wieder in bester Ordnung sei. Übersetzt für den Finanzmarkt heißt dies Folgendes: Den Banken geht es zwar besser. Sie sind aber noch nicht über den Berg.
Ein massenhafter Kollaps droht zurzeit offenbar nicht, aber einige Banken brauchen weiter eine Rekapitalisierung. Ergo wird die Europäische Zentralbank (EZB) auch in Europa vorerst nicht an der Zinsschraube drehen. Denn so können sich die Banken mit billigem Geld eindecken, das mit einem kleinen Aufschlag an die Verbraucher weiter gereicht wird, die sich wieder sicherer fühlen und sich verschulden.
Oder anders ausgedrückt: Wir haben es aus Anlegersicht mit der besten aller Welten zu tun: Die Anleger fühlen sich wieder sicherer und investieren. Wegen bestehender Risiken bleibt der Zins niedrig – und eine Welle an Geld strömt in den Markt.
Der Euro hat vorerst Luft nach oben
Die Konsequenz für den Devisenmarkt: Der Euro steigt. Denn anders als die US-Notenbank hat die EZB zuletzt nicht vom Anwerfen der Druckerpresse gesprochen. Ferner scheint ein Kollaps von Staaten oder Banken gebannt. Damit wird sich die europäische Währung stabiler zeigen, als der Greenback. Ich sehe ein Kurspotenzial für den Euro bis in die Region von 1,38 Dollar.
Performance-Ticker News
Kurskorrektur des Euros soll Export beflügeln
Die Normalisierung schreitet voran – die Anleger lassen zunehmend negative Nachrichten an sich abperlen, sie analysieren die Lage an den Finanzmärkten viel nüchterner als noch vor ein paar Wochen.
Zur Beruhigung der Nerven trug auch am Forex-Markt die gut angelaufene US-Berichtssaison bei – sowohl Alcoa als auch Intel lieferten prima Zahlen ab.
Viel interessanter ist jedoch die Tatsache, dass sich der Euro zunehmend stabilisiert. Die Folgen des Euro-Absturzes machen sich mittlerweile positiv bei den deutschen Unternehmen bemerkbar, deren Exporte boomen wie selten zuvor. Darüber freut sich wiederum der deutsche Fiskus, der ja im Falle von Staatsbankroten als wichtigster Gläubiger in Europa bereitstehen muss.
Nun ist es Zeit für eine Euro-Korrektur – die europäische Währung hat in wenigen Wochen immerhin zehn Cents zugelegt!
Plötzlich sorgt selbst Athen für gute Nachrichten
Am besten lässt sich die neue Lockerheit im Devisenhandel an den Ereignissen des Anleihemarktes ablesen. In dieser Woche gab es ein Ereignis, das noch vor kurzem die schiere Euro-Panik ausgelöst hätte: Die Rating-Agentur Moody's stufte die Bonität portugiesischer Staatsanleihen um zwei Noten von AA2 auf A1 herunter.
Eine schlechtere Bewertung der Bonität macht es für ein Land schwerer, über die Ausgabe von Staatsanleihen an Geld zu kommen. Eine schlechtere Note lässt üblicherweise die Zinsen steigen, die das Land für das geliehene Geld zahlen muss. Und dies erhöht die Chance, dass das Land wirklich in die Knie geht.
Schon im April hatte die Rating-Agentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit Portugals herabgestuft. Moody's erklärte nun, die Verschuldungslage von Portugal werde sich wohl "mindestens weitere drei Jahre lang" verschlechtern. Die Staatsverschuldung könne dabei auf bis zu 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. Der Markt zuckte nur kurz und wandte sich dann den positiven Dingen des Lebens zu.
Griechenland beispielsweise.
Hurra aus Hellas
Das hoch verschuldete Hellas meldete nämlich einen Erfolg bei der Aufnahme frischen Kapitals an den Finanzmärkten. Für eine jüngst ausgegebene Staatsanleihe habe es mehr Interessenten als verfügbare Papiere gegeben, verlautete von Seiten der griechischen Behörde für das Schuldenmanagement des Landes. Griechenland könne mit der Anleihe rund 3,6 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von 4,65 Prozent einsammeln.
Die Ausgabe der Staatspapiere war die erste derartige Aktion, seit das Land Anfang Mai ein Hilfspaket von EU und Internationalem Währungsfonds erhielt und dadurch stabilisiert wird.
Besonders verwunderlich: Diesmal fragte sich niemand im Markt, wer hier genau die Hellas-Bonds kauft – meine Quellen berichten, es seien die Europäische Zentralbank und zwei große nationale Notenbanken, die damit Griechenland stützen. Von einer Rückkehr des Marktvertrauens in Griechenland ist also noch keine Rede.
Doch egal: Die von der Hitze zermürbten Broker waren zu träge, um sich mit lästigen Hintergründen auseinander zu setzen. Der Grad der wohligen Sommer-Entspannung ließ sich am besten an den deutschen Staatsanleihen ablesen. Sie waren in den vergangenen Wochen der Hafen, den verunsicherte Anleger im Zuge der Schuldenkrise angelaufen hatten.
Nun reagierten sie mit deutlichen Kursabschlägen auf die positiv verlaufene Auktion griechischer Geldmarktpapiere.
Short the Euro
Nun ist es aber auch wirklich genug mit der Feierei. Eine Euro-Reaktion nach unten ist überfällig, denn der Euro ist übergekauft. Zudem stellt sich die Psycho-Marke von 1,30 als üble Barriere in den Weg. Ich gehe daher von einem Pullback aus. Auf mittlere Sicht ist mein Kursziel dann wieder bullish, wir nehmen im Euro wieder Kurse von 1,35 ins Visier.
Wir werden also die kommenden Euro-Wellen reiten. Das Schöne am Devisenhandel ist die Tatsache, dass wir sowohl long als auch short gehen können. Und dass wir fast rund um die Uhr angreifen können.
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